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Deutschlands Wohlstand

Was denkt die Welt?

Wir haben uns gefragt, was die Welt wirklich über Deutschland denkt – das Land, das statistisch gesehen die meisten Asylbewerber_innen in Europa aufnimmt. Was bewegt die Menschen derzeit, wenn sie an die aktuelle Situation in Deutschland denken, die in den Medien oft als „Flüchtlingskrise“ betitelt wird?
Außerdem wollten wir wissen, wie sich die aktuelle Diskussion auf unsere Sprache auswirkt. Welches Wort, welche Beschreibung ist für die Befragten die richtige und passendste: Flüchtling, Refugee, Geflüchtete_r, Asysuchende_r, Vertriebene_r, Migrant_in etc.? Ist die Wortwahl den Menschen überhaupt wichtig? Hier einige Antworten.

Philip aus Deutschland:

„Die aktuellen Proteste vieler Deutscher gegen die Aufnahme von Flüchtlingen erschrecken mich einerseits, machen mich andererseits aber auch traurig. Ich habe nicht erwartet, dass sich so viele Menschen erheben und offen gegen die Aufnahme von Flüchtlingen protestieren. Vor allem, dass sich so viele Menschen dem rechten Populismus hingeben und blind rechte Parolen nachrufen. Viele scheinen die Wahrung des Wohlstandes in Deutschland über das Menschenrecht der Flüchtlinge zu stellen. Wir alle sehen jeden Tag in den Nachrichten halbertrunkene Menschen in Schlauchboten oder zu Fuß auf endlos langen Märschen und alles, was vielen Deutschen dazu einzufallen scheint, ist, dass diese Menschen unseren Wohlstand bedrohen. „Wie können wir nur möglichst effektiv unsere Grenzen schließen? Mauern? Zäune? Masseninternierungslager an den Grenzen?“ Ich glaube, dass viele Menschen Recht haben, wenn sie sagen, dass bei der Menge an Flüchtlingen Deutschland seinen Wohlstand nicht wird halten können. Wenn weiterhin so viele Menschen kommen, wird vielleicht der Wohlstand insgesamt sinken. Aber ist es nicht gerade unsere Pflicht, den Menschen Schutz zu gewähren, die alles verloren haben? Gerade wir Europäer, die es in den letzten 70 Jahren nach der fast totalen Zerstörung zweier Weltkriege zu so großem Wohlstand gebracht haben, sollten gelernt haben, menschlicher sein als nur Zäune zu bauen und Menschen zurückzuschicken. Wenn schon der große Rest Europas nicht bereit ist den Flüchtlingen ein Minimum Menschenwürde zu geben, sollten wir Deutsche unser Möglichstes tun, auch wenn es unseren Wohlstand etwas mindert.“

Craig aus den USA:

„Um auf die Fragestellung zu antworten, werde ich die Terminologie „Flüchtling“ benutzen – auch wenn ich glaube, dass dieses Wort zu einfach und optimistisch klingt, um all die Menschen zu beschreiben, die derzeit in Deutschland und Europa ankommen. Ein „Flüchtling“ ist eine Person, die gezwungen wurde, ihr Land vor Krieg, Verfolgung oder einer Naturkatastrophe zu verlassen. Ich glaube, dass die Flüchtlingssituation weitaus komplizierter ist durch die Tatsache, dass dort Menschen, die nicht unter diese Kategorien fallen, versuchen, nach Deutschland und Europa zu kommen.“

Baselios aus Syrien:

„1. Die Regierung sollte ihre wahren Gründe deutlichen machen warum sie eine große Zahl an Flüchtlingen akzeptiert,

2. Die Regierung sollte dann offenkundig sagen, welchen Beitrag sie von dieser Menge an Menschen kurz- und langfristig erwartet,

3. Die Regierung hätte ihre Strategie aufgedeckt haben sollen, so dass die Deutschen sich sicherer fühlen würden und verstehen würden, dass sie ihr Land nicht für/an andere verlieren,

4. Die Regierung sollte sich so angemessen genug verhalten, dass sie über ihr eigenes Interesse und die Menschen gleichzeitig nachdenken kann,

5. Nichtregierungsorganisationen sollten eine dominantere Rolle darin einnehmen, ein Bewusstsein darin zu bestärken, dass die Nation die reale Situation besser verstehen kann und die Flüchtlinge in ihren schwierigen Lebensumständen unterstützen,

6. Die Nichtregierungsorganisationen sollten die Realität, die Lösungen und die erwartete Teilhabe der Menschen fördern,

7. Die Mehrheit der Deutschen unterstützt und heißt die Überlebenden willkommen, weil sie wahrlich die Schwierigkeiten verstehen, unter denen diese Menschen in ihren Heimatländern litten,

8. Die Überlebenden sollten mehr Enthusiasmus und einen Hunger nach Integration zeigen und aktive Werte stiften in ihren Spezialgebieten,

9. Die Überlebenden sollten flexibler sein im Verständnis der Realität und den unerwarteten Zahlen derjenigen, die jeden Tag nach Deutschland kommen, was den gesamten Prozess verlangsamt,

10. Die Überlebenden sollten beweisen, dass sie es verdienen, hier auf Dauer zu leben.“

2 Kommentare

  1. Also ich denke, dass der Wohlstand bei der geringen Zahl (wenn man das in Prozenten sieht) kaum gefährdet ist.
    Und wenn etwas den Wohlstand gefährdet dann eher Geldverschlingende Projekte, die nicht sein müssten.
    Genau so meine, dass die Politiker die Steuergelder häufig unintelligent und verschwenderisch und nicht angemessen ausgeben.
    Würde man das Geld gerechter und sinnvoller aufteilen, wäre das meiste doch gar kein Problem. Aber auf dieses Problem konzentrieren sich viele leider nicht.
    Und es ist egal, wie man die Flüchtlinge bezeichnet. Im Endeffekt ist es nur wieder ein Label das man den Menschen aufdrückt und sie so kategorisiert. Es sind Menschen die Hilfe brauchen. Egal ob Hilfe weil ihnen der Tod durch Waffen oder der Tod durch verhungern oder krank werden droht, weil sie kein Geld für Medizin Nahrung oder die Schule der eigenen Kinder haben.
    Es gäbe sehr viel zu diesem Thema zu schreiben.

    Aber immer nur erklären und schreiben könnte jeder.
    Wir wollen was unternehmen um den Flüchtlingen zu helfen.
    Deswegen wollen wir unter der Initiative die FANTASTISCHEN TEENS ein Projekt starten, in dem es darum geht mit den Flüchtlingen zu schreiben und das Ganze illustrativ zu begleiten.
    Wir suchen interessierte, hauptsächlich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
    Die Flüchtlinge haben einen langen Weg, mit vielen Hindernissen und Gefahren hinter sich, die sie auf verschiedenste Art und Weise geprägt haben.
    Mit unserem Schreibprojekt für Flüchtlinge wollen wir ihnen durchs Schreiben und/ oder Zeichnen die Möglichkeit geben, Erlebtes zu verarbeiten.
    Des Weiteren hätten sie eine Aufgabe, der sie (hoffentlich mit Freude) nachgehen können.
    Außerdem würden sie sich mit anderen Jugendlichen, sprich Gleichaltrigen, treffen und könnten, aufgrund von uns organisierter Dolmetscher, sich austauschen.
    Wir beauftragen professionelle, didaktisch ausgebildete Schriftsteller mit den Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Als Cohelfer stellen sich die jungen Autoren, die schon länger bei der Initiative Fantastische Teens mitgeschrieben haben, zur Verfügung.
    Zum Teil haben sich auch hier schon einige gemeldet, dass sie die Rolle des Dolmetschers übernehmen würden.

    Wie läuft das Programm ab?
    Die Workshops würden entweder in den Heimen oder „außerheimisch“ stattfinden. Wir würden einen passenden Platz suchen.
    Ganz nach den sprachlichen Vorkenntnissen, englisch wäre auch kein Problem, würden wir mit leichten Aufgaben anfangen, um dann allmählich die ersten Sätze und später Geschichten schreiben zu lassen. Wenn die Sprache noch zu große Schwierigkeiten machte, würden wir über das Zeichnen anfangen.
    Wir stellen uns vor, dass ein Schriftsteller mit ca. 7 Jugendlichen und zwei Helfern arbeitet.

    Wer Interesse hat oder uns auch weiterhelfen kann und ein paar Wohnheime speziell für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kennt, der kann sich gerne unter pauw@literaturmanagement melden

    Herzliche Grüße Chirley

    • Hej, das klingt nach einem tollen Projekt und sehr ähnlich dem unserem, denn auch wir arbeiten gemeinsam an unserem Projekt und erstellen in einer gemeinsamen Redaktion unsere Beiträge. 🙂 Meldet euch, wenn ihr gemeinsam an etwas arbeiten wollt!

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