Wo kommt die deutsche Angst vor Ausländern her?

Wo_kommt_die_deutsche_Angst_vor_Ausländern_her
Die wahre Hürde für die Integration von Migrant*innen in Deutschland

Die deutsche Kultur wird in den Augen jedes Ausländers, der aus bestimmten Gründen oder mit bestimmten Zielen in Deutschland lebt, als „reserviert“ bezeichnet. Die Angst der Deutschen vor dem Ausländischen zeigt sich immer, wenn diese auf Ausländer treffen. Es entstehen seltsame Situationen, die für beide Seiten schwer zu bewältigen sind. Das hat Auswirkungen auf die Einstellung, das Handeln und das soziale Leben der Menschen.

Normalerweise haben die Menschen Angst von Veränderungen und neuen Dingen und haben Angst vor der Definition ihrer Person in einer anderen Kultur. Nichtsdestotrotz ist bekannt, dass Angst entsteht, wenn jemand sich in einer unbehaglichen Umgebung, Kultur oder Situation befindet. Hier eine Frage: Wer ist in einer unbehaglichen Umgebung – die deutschen Bürger*innen oder die Ausländer*innen? Müssen sich Bürger*innen Sorgen über Ausländer*innen machen, wenn sie in ihrem eigenen Land sind, in dem für sie alles bekannt ist?

In meinem Land fürchten sich die Ausländer*innen vor den lokalen Bürger*innen – im Gegenteil zu Deutschland. Der Grund dafür ist, dass diese Ausländer*innen sich häufig, selbst ohne größere Probleme zu haben, unwohl in der neuen Umgebung und Kultur fühlen. Ihre Angst ergibt also irgendwie Sinn.

Ich wandte mich an zwei Studierende an der Leuphana Universität in Lüneburg und stellte ihnen diese Frage. Sie antworteten: „Von unserer Kindheit an wurde uns beigebracht, auf uns aufzupassen und zum Beispiel ein halbvolles Getränk nicht offen in einem Restaurant oder einem Club stehen zu lassen. Außerdem sagten uns unsere Eltern, dass wir uns vor Fremden in Acht nehmen sollen“.

Dieser Begriff „Fremder“ wird definiert als eine Person, die einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Gemeinschaft nicht kennt oder dort nicht bekannt ist. Ausgehend von dieser Definition sind Ausländer*innen in gewisser Hinsicht Fremde. Die reservierte Kultur, die Angst vor Fremden in deutschen Gemeinschaften und der schlechte Ruf, der durch die negative Mediatisierung der „Flüchtlingskrise“ entstanden ist, sind die wichtigsten Faktoren in diesem Paradox.

Diese Angst ist vor allem bei Älteren und Erwachsenen verbreitet. Die Angst verleitet sie dazu, sich rassistisch zu verhalten, selbst wenn es unbewusst passiert. Aber es gibt andere, die diese Angst benutzen, um Ausländer*innen und vor allem People of Colour absichtlich zu diskriminieren. Die Angst ist unter jungen Leuten weniger verbreitet, da Deutschland eine offene Gesellschaft geworden ist, nachdem es der Europäischen Union beigetreten ist. 2005 verabschiedete die deutsche Regierung ein Migrationsgesetz im Gegensatz zur Rücksende-Politik, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs angewandt wurde und die Realität von Migration und Integration untergraben hat.

Der Bericht der UN-Menschenrechtskommission aus dem Jahr 2015 zeigt, dass Rassismus in Deutschland im Bildungs-, Arbeits- und Wohnungssystem immer noch stark vertreten ist. Die UN-Kommissare für Menschenrechte empfahlen den deutschen Politikern, Regelungen zu treffen, die diesen Rassismus und die Diskriminierung reduzieren sollen. Wird es einfach für die Politiker sein, ein System zu etablieren, dass diese Angst, diesen Rassismus und die Diskriminierung verringert?

Naja, die Integration ist noch ein weiter Weg. Die Art und Weise, wie die Kultur einen Ausländer*innen oder Fremden definiert, muss sich ändern. In der globalisierten Welt brauchen wir eine Gesellschaft, die ihre Normen und Tabus öffnen kann, um die Multikulturalität anzunehmen und die Welt verbundener zu machen. Die USA sind ein Beispiel, wo dies der Schlüssel zum Erfolg und zur Macht in der Welt war.

Terrorismus, IS und andere kriminelle Banden rund um die Welt machen Migration und Integration schwer für Ausländer*innen. Diese kriminellen Banden formen die Einstellungen in Bezug auf die Angst und Unbehaglichkeit des menschlichen Wesens. Wir müssen die Angst überwinden, um uns auf eine harmonische Gesellschaft zuzubewegen.

Ändere deine Perspektive, wenn du Ausländer*innen oder Fremde triffst! Sie als Aggressoren zu sehen wird niemals Probleme lösen, sondern nur die Situation für beide Seiten verschlechtern. Rassismus und soziale Diskriminierung schaden der gesellschaftlichen Entwicklung und der Harmonisierung und sollten deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden.

Text: Jean Ngendahimana // Foto: Mohammed

(Jean ist Journalist und Menschenrechtsaktivist. Er studiert momentan digitale Medien und Medienmanagement an der Hamburg Media School.)