Vom Neuanfang in Deutschland

Mein Beginn und meine Zukunft in Deutschland

Ich würde eigentlich sagen, dass Deutschland das Land der Träume ist, sofern man motiviert und aktiv ist.

Wieso ist Deutschland das Land der Träume?

Wenn man beispielsweise keine Ausbildung oder keinen Beruf hat, dann kann man mit einer finanziellen Hilfe vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit seine Lebensverhältnisse verbessern. Ja, vielleicht sagen manche Leute, dass man zwar eine Hilfe vom Staat bekommt, aber dafür auch viele Steuer bezahlt. Meine Meinung ist aber, dass diese Gesetze sehr hilfreich und rechtmäßig sind. Und sie sind sehr ähnlich wie es meine Religion, der Islam, vorschreibt.

In Syrien ist die Realität ganz anders, denn der Präsident und seine Familie stehlen die ganzen Steuern. Also, für mich war der Anfang [in Deutschland; Anm. d. Red.] ein bisschen anders als für andere Leute: Ich bin mit einem Visum nach Deutschland gekommen, weil mein Onkel seit 20 Jahren in Hamburg wohnt. Diese Bedingungen helfen mir sehr z.B. weil man sich von Anfang an bei staatlichen Behörden anmelden kann. Man weiß wie das Leben hier abläuft und wie man mit den Deutschen umgeht. Obwohl ich diese guten Bedingungen vorgefunden habe, finde ich das Leben, die Kultur und die staatlichen Verfahren in Deutschland sehr schwierig zu verstehen. Wahrscheinlich spielt dabei die Sprache – die wirklich sehr kompliziert ist – eine große Rolle.

Das erste große Problem für mich war es eine Unterkunft zu finden, in der ich schlafen konnte, in der ich mich in Ruhe hinsetzen und lernen konnte. Ich habe mich zwar bei meinem Onkel gemeldet, aber dort konnte ich nicht wohnen. Denn er hat eine große Familie – drei Kinder und eine behinderte Frau – aber nur eine kleine Wohnung. Die Katastrophe war, dass das Jobcenter immer gesagt hat, dass ich bei meinem Onkel wohnen muss. Sie haben gesagt: Nur wenn ich eine kleine Wohnung finde, dann kann das Jobcenter die Miete bezahlen. In Hamburg ist es aber sehr schwierig, eine freie Wohnung zu finden. Deswegen musste ich einen Platz finden, an dem ich wenigstens schlafen konnte. Gott sei Dank, ich habe einen kleinen Raum mit einigen anderen Person zum Teilen gefunden, aber leider musste ich die Miete dort schwarz bezahlen. Deshalb musste ich die Miete selber bezahlen. Ich habe jeden Monat 400 Euro von Jobcenter bekommen und ich musste dieses Geld jeden Monat zwischen Miete und Lebensmitteln aufteilen. Das war wirklich anstrengend aber Gott sei Dank: Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol …ich bin also ein sparsamer Mann.

Diese Situation blieb für etwas vier Monate so, bis ich eine Wohnung gefunden habe. Ich bin aber auch noch verheiratet. Das andere Problem war also, dass ich meine Frau so schnell wie möglich nach Deutschland holen musste. Denn sie hat immer noch in Aleppo im Krieg gewohnt. Aber die Ausländerbehörde hat unsere Familienzusammenführung nicht genehmigt. Mir wurde gesagt, dass ich erst arbeiten muss und dann kann ich meine Frau nachholen. Aber leider dauert es sehr lange bis man als Arzt in Deutschland arbeiten kann…. Meine Frau ist deshalb auf eigene Faust hergekommen: Über das Meer, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich ist sie nach Deutschland gekommen. Das war selbstverständlich sehr anstrengend für meine Frau und mich. Ich hatte große Angst um sie. Gerade als sie angekommen ist, habe ich zum Glück eine Wohnung gefunden. Gott sei Dank.

Das ist die Kurzversion meines Beginns in Deutschland. Ich möchte aber auch über meine Pläne und Ziele schreiben.

Seit dem ersten Tag in Deutschland lerne ich auf eigene Faust die deutsche Sprache. Ich weiß, dass die Sprache der Schlüssel zum Leben hier ist. Wenn man hier erfolgreich sein will, muss man unbedingt die Sprache beherrschen. Ich lerne auf eigene Faust, weil ich so schnell wie möglich meine Weiterbildung in der Chirurgie weitermachen möchte. Würde ich auf das Jobcenter warten, würde jede Niveaustufe vielleicht vier Monate dauern. Dann bräuchte man ungefähr drei Jahre, nur um deutsch zu lernen. Das ist leider das bürokratische Phänomen in Deutschland und man muss sich täglich daran gewöhnen. Seit einem Jahr bin ich in Hamburg und seit dem ersten Tag lerne ich deutsch. Trotzdem habe ich immer noch Schwierigkeiten mit der Sprache. Mein Ziel ist es den Facharzt in orthopädischer Chirurgie zu schaffen. Das kostet mich viel Zeit meines Lebens, aber ich habe mich entschieden, dass ich diesen Preis bezahlen werde.

Mein Motto ist: Man sollte sich keine Sorge machen und alles kommt langsam mit der Zeit.

Unser Autor lebt heute mit seiner Frau in einer eigenen Wohnung in Hamburg. Er möchte anonym bleiben.