Eine Reise nach Deutschland

Das Wetter ist sehr kalt. Nach einem kurzen Moment ist es regnerisch mit viel Gewitter. Es ist 23:30 Uhr. Ich bin verängstigt. Wo kann ich schlafen?

Ich habe keine Jacke und keine Handschuhe. Ich trage nur eine Hose und ein T- Shirt. Ich bin an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Mir ist sehr kalt und habe Hunger. Seit 24 Stunden habe ich nichts gegessen. Aber das ist nicht wichtig. Ich bin noch stark. Ich suche einen Platz zum Schlafen. Es gibt eine lange Straße. Ich gehe zwei Stunden langsam, denn bin ich müde und schläfrig. Ich sehe ein großes Gebäude. Das ist der Bahnhof. Wo kann man im Bahnhof schlafen: auf den Sitzplätzen oder in einer Ecke? Ich schlafe nur drei Stunden.

Wir hatten in der Universität ein Fußballteam für die Französisch-Abteilung. Am 5. März 2015 um 17:10 Uhr beginnt ein Spiel gegen die Deutsch-Abteilung. Die Französisch-Studenten ermutigen ihr Team: Allez, Allez, Allez Français. Die Deutsch-Studenten feuern ihre Mannschaft auch an: los, los, los Deutsche. Die erste Hälfte endete 0:0. Am Ende hat die deutsche Mannschaft das Spiel 2:1 gewonnen. Sie sind glücklich. Aber wir sind traurig, denn wir haben verloren. Das war Fußball.

Das Goethe-Institut hilft den Studenten die Sprache zu lernen. Es bietet außer Deutschkursen auch ein Fest: Tanz, Musik, deutsche Kultur etc. Um 19:30 Uhr bin ich nach Hause gekommen. Ich habe geduscht. Das Abendessen ist um 21 Uhr fertig. Wir sind acht Personen: meine Eltern und meine Geschwister. Auf dem Tisch stehen zwei große Schüsseln mit Linsen Brötchen, Haferbrei und Obst. Wir haben uns satt gegessen. Die Familie hat am Tisch diskutiert. Die politische Lage ist im Sudan sehr schwierig. Die jungen Menschen haben keine Perspektiven. Es herrscht Krieg. Was wollen wir in der Zukunft machen?  Ich möchte gern in Deutschland Wirtschaft studieren. Ich war eingeschlafen und hatte von meiner Familie und von meinem Staat geträumt. Um halb fünf bin ich aufgewacht. Ich will nach Deutschland fahren.

Ich sehe zum ersten Mal einen Fahrkartenautomaten, ich kann ihn nicht benutzen. Ich hatte auch kein Geld. Ich habe den Fahrplan gelesen. Heute fährt um sieben Uhr ein Zug nach München. Ich bin dann ohne Ticket nach München gefahren. In meinem Land gibt es keine Eisenbahn, des halb war ich sehr überrascht und bin ich zum ersten Mal mit dem Zug gefahren. Ich habe mich in die zweite Klasse gesetzt. Ich habe auf meinem Sitz gesessen und durch das Fenster die Landschaft gesehen. Als der Kontrolleur gekommen ist, bin in die Toilette gegangen. Nach ein paar Minuten bin ich zurückgegangen. Dann ist eine deutsche Frau zu mir gekommen und hat mich gefragt:

„Ist dieser Platz noch frei?“

Ich habe gesagt: „What?“

„Ist dieser Platz noch frei?“

„Yeah“ Sie hat mich gefragt:

„Wohin fahren Sie?“

Ich habe geantwortet: “Sorry, l do not know the German language.“

Um 11: 30 Uhr bin ich in München angekommen. Ich war glücklich und in Sicherheit. Im Bahnhof hatte ich drei Tage keine Lebensmittel und nicht gut geschlafen. Neben mir habe ich zwei Personen gehört. Sie haben über Flüchtlinge diskutiert. Ich habe sie nicht verstanden. Aber zuletzt hat einer von ihnen „danke“ gesagt. Das Wort gefällt mir. Aber was bedeutet „danke“ auf Arabisch oder Englisch? Auf Arabisch vielleicht شكرًا, oder  ? Ich habe mit einem Polizisten gesprochen. Wir sind zur Polizeistation gegangen. Er hat mir viele Fragen gestellt. Ich habe ihm gesagt:  Ich bin allein nach Deutschland gekommen und möchte gern hier leben. Dann sind wir mit einem Auto zu einer Unterkunft für Flüchtlinge gefahren. Die Flüchtlinge in der Unterkunft kommen aus verschiedenen Ländern: aus Somalia, Äthiopien, Syrien, aus dem Sudan und Albanien.

Sie haben ganz unterschiedliche Sitten und Gebräuche: Manche essen mit der Hand, andere mit Messer und Gabel. Manche sind Muslime, andere sind Christen. Ich glaube, Leute aus ganz unterschiedlichen Ländern können zusammen in Frieden leben. In der Unterkunft gibt es Lebensmittel, Ärzte, Kleidung, Medikamente und Deutschkurs. Wir haben jeden Tag von 8 bis 11 Uhr gelernt. Deutsch gefällt mir sehr gut. Ich habe schon viel Deutsch gelernt. Aber für uns Sudanesen ist Deutsch sehr schwierig zu lernen, besonders die Vokale O, U  und ihre Umlaute Ö, Ü. In Deutschland isst man mit Besteck. Das Messer liegt rechts und die Gabel links neben dem Teller. Alle frühstücken zwischen 6 und 8 Uhr. In meinem Land essen wir zwischen 10 und 12 Uhr. Wir essen mit der Hand ohne Besteck.

Der Autor möchte anonym bleiben. // Foto: Wilson Lau